- ANZEIGE -

 
Interview

Dienstag, 18.03.2008

„Angriff auf unser Menschenbild“

Von Moritz Schwarz

Herr Steeb, „Christen sind feige“ – drängt sich Ihnen auch manchmal dieser Eindruck auf?

Steeb: Den Eindruck kann man in der Tat manchmal gewinnen.

Sie widersprechen nicht?

Steeb: Nein. Ich glaube auch, daß Christen im Zeitalter sogenannter Toleranz lernen müssen, ihren Standpunkt wieder offensiv und wo nötig pointiert zu vertreten.

Ist es nicht ein wenig absurd, daß man das ausgerechnet Christen sagen muß?

Steeb: Ja, schon. Wir haben uns vielleicht in den vergangenen Jahrzehnten der Freiheit und des Friedens und des Wohlstands zu sehr lähmen lassen. Aber wir müssen natürlich fair sein. Zum Glück treffen die Eigenschaften „faul“ und „feige“ nicht auf alle Christen zu.

Wenn man dies pauschal behauptet, tut man vielen Tausenden lebendigen Christen Unrecht, die sich täglich nicht nur öffentlich zu ihrem Glauben bekennen, sondern sich auch politisch im Sinne der Werte der Bibel einsetzen und deshalb nicht nur oft Hohn und Spott, sondern auch Anfeindungen erfahren müssen.

Dennoch aber haben Sie recht: Es ist schon erstaunlich, wie „leisetreterisch“ mitunter gerade jene sind, die für sich persönlich das Glaubensbekenntnis der Christen unzweifelhaft bejahen.

Was sind denn die Gründe dafür?

Falsche Maxime

Steeb: Wir sind mit der falschen Maxime aufgetreten, Glauben sei Privatsache und jeder solle nach seiner eigenen Façon selig werden. Darum haben wir die Botschaft von Jesus, daß er der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, als universal geltende Wahrheit zu sehr nur hinter den Kirchenmauern verhandelt.

Und dann kommt hinzu, daß viele Christen zu wenig die Mechanismen und Regeln der Demokratie verstehen und ernst nehmen. Wenn Jesus zu seinen Lebzeiten gesagt hat: „Gebt des Kaisers, was des Kaisers ist“, dann heißt das heute: Gebt der Demokratie, was der Demokratie zusteht. Und dies bedeutet aktive Mitwirkung an der Gestaltung des Gemeinwesens und der öffentlichen Meinung.

Wir müssen uns einmischen! Oft sind Christen zu still, weil sie keinen Anstoß erregen möchten. Sie sind natürlich geprägt von der Tugend der Nächstenliebe. Die gehört zum Christsein dazu. Außerdem wollen Christen andere Menschen gewinnen und nicht vor den Kopf stoßen. Allerdings ist die Liebe zum Nächsten ein, aber keineswegs der einzige christliche Wert.

Und Liebe üben heißt ja auch, das Beste für den anderen zu wollen, nämlich ihm den Glauben aufzuschließen und ihn daran zu erinnern, daß das Leben nach den Geboten Gottes das Beste für ihn selbst und das ganze Volk ist. Das erregt auch Anstoß. Und das ist gut so.



teilen:Diesen Artikel bei Facebook merkenDiesen Artikel bei Yahoo merkenDiesen Artikel bei Google merkenDiesen Artikel bei MySpace merkenDiesen Artikel bei Technorati merkenDiesen Artikel bei del.icio.us merkenDiesen Artikel bei Mr. Wong merken

Keine Kommentare vorhanden.


Anmelden um Kommentare zu schreiben.

- ANZEIGE -